Asynchron – Wir chatten, aber wir reden nicht

Bevor sich die Gedanken wieder total verflüchtigen und ich keinem mehr habhaft werden kann, schnell zu Papier gebracht. Verzeiht also, wenn es noch wirrer als sonst werden könnte.

Was stellt diese asynchrone, textbasierte Kommunikation denn eigentlich mit uns? Nein, damit meine ich nicht primär E-Mails oder soziale Netzwerke. Mir geht es gerade um die unterschiedlichen Ausprägungen des Chats bzw. der ganzen SMS-Ersatz Dinger.
Wir sind es so gewohnt, dass wir ständig, überall jeden erreichen können und erreichbar sind. Und sei es eben per Textnachricht, wir chatten dann, aber wir reden nicht. Wie schnell ist ein Missverständnis entstanden, nur weil ein Satz zweideutig formuliert war? Wie schnell versteht man etwas falsch, nur weil der Sender meint den Satz bzw. den Gedankengang nicht sauber abschließen zu müssen – denn es ist ja vollkommen klar auf was er raus wollte. Und ja, Emoticons sind toll, aber kein Ersatz für die Mimik oder den Tonfall.  Und nein, ich will diese Kommunikationsform nicht missen wollen. Aber so manchmal frage ich mich doch, wie uns diese asynchrone Kommunikation verändert. Die Kommunikationspartner haben Zeit sich zwischen den Antworten Gedanken zu machen, wie denn der Satz gemeint war bzw. warum denn noch keine Antwort kam. Und ja ein großes Problem ist, dass man sich kurz fasst. Eben auch bei einer unbekannten bzw. nicht so gut bekannten Person. Und dann passierts ganz schnell, dass die eigenen Gedanken schneller sind als die Antwort bzw. die Vervollständigung des Gedankengangs.
Und mal ganz ehrlich, wer hat sich zwischen den Antworten in einem Chat (ja, da gehören auch WhatsApp und Konsorten dazu) nicht mal Gedanken gemacht, warum denn keine Antwort kommt oder warum denn der Satz gerade so und nicht anders formuliert war. Und wer von euch hat dann einfach mal nachgefragt? Oder gar direkt angerufen? Kaum einer, oder? Kenn ich das Problem. Darum verwende ich so Chat-Zeugs entweder mit ner großen Tastatur – da kann ich lange Texte schreiben – oder mit Leuten die mich halbwegs kennen, oder eben um wirklich kurze, spezifische Informationen zu erhalten und zu verteilen. Mit ganz wenigen Menschen verwende ich Chats um mich wirklich zu unterhalten. In den meisten Fällen ist mir dann das Telefon lieber (und das als jemand der anstelle eines Anrufs lieber eine Mail schreibt).
Ich habe echt den Eindruck, dass uns diese Art der Kommunikation irgendwann noch kräftig in den Arsch treten wird. Sei es, weil sie uns ungeduldiger werden lässt oder zu mehr Missverständnissen und damit unnötigem Stress führt. Aber vielleicht müssen wir ja auch nur unser Verhalten und unsere Erwartungen  ein wenig ändern. In diesem Sinne übe ich mich dann mal in dem neuen Kommunikations-Zen und lass heute mal Chat und Zeugs gut sein, nehm mir ein Buch und entspann mich. Falls mir aber jemand schreibt, bekommt er oder sie wahscheinlich trotzdem Antwort – bin ja doch irgendwo Kommunikations-Junkie 😉

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