Auschwitz, Gedenken und Scham

Alle Jahre wieder, wird der Befreiung von Ausschwitz erinnert. Und alle Jahre wieder kommen Stimmen auf, dass es nun auch endlich mal gut sei. Immerhin könne man ja nichts für seine Vorfahren und überhaupt sei der Holocaust ja immer das Totschlagargument in Diskussionen mir moralischen Komponenten. Alle Jahre wieder wird einem im Kommentaren gesagt, dass man sich schämen solle, das es eine besondere Verantwortung Deutschlands gäbe. Alle Jahre wieder, stell ich mir selbst die Frage, ob das Gedenken in dieser Form wirklich sinnvoll ist.

Ja, der Holocaust, das 3. Reich gehört zur Geschichte Deutschlands, aber auch zur Geschichte der Welt. Ja, wir müssen uns daran erinnern. Ja, Deutschland bzw. wir sollten genau aus diesem Grund als Mahner auftreten und den Finger immer wieder in ähnliche, offene Wunden legen. Nein, ich spare mir hier eine Aufzählung, da ich nichts mit den Holocaust vergleichen will und kann. Trotzdem finde ich, dass der Holocaust nicht als Argument in Diskussionen über Flüchtlingsaufnahme, Schutz von Minderheiten gegenüber Deutschland benutzt werden kann. Diese kalt geplanten, ungeheuerlichen, grausamen und verabscheuungswürdigen Taten die zum Holocaust führten sind eine Mahnung und eine Warnung an die ganze Welt, an jeden Menschen. Wir in Deutschland sind damit mehr oder weniger täglich konfrontiert. Daher sollte es uns einfacher fallen Parallelen zu sehen, sollte es uns einfacher fallen Verantwortung zu übernehmen und daraus erwächst ein Handlungsbedarf. Der Handlungsbedarf erwächst eben nicht aus dem Vorwurf des Holocaust, sondern aus der Erinnerung an diesen.

Trotzdem habe ich alle Jahre immer wieder den Eindruck, dass der Holocaust den heute lebenden Deutschen immer als Vorwurf nahe gebracht wird. Zum Beispiel in Formulierungen wie „ich schäme mich für das was damals geschah“. Nein, ich schäme mich nicht für das was damals geschah. Aus dem einfachen Grund, ich hätte es nicht verhindern können. Es fehlt sogar das fremdschämen in diesem Fall.
Das, was im Holocaust geschah, das was in Nazi-Deutschland geschah, macht mich einfach nur sprachlos, wütend und hat sich tief in mir eingegraben. Eingegraben als ein „Nie wieder!“

Genau aus diesem Grund bereiten mir PEGIDA und das generelle erstarken nationalistischer Kräfte ordentlich Bauchschmerzen. Genau aus diesem Grund sehe ich die Gefahren die davon ausgehen. Genau aus diesem Grund, werde ich immer dann einschreiten, wenn in meiner Gegenwart jemand aufgrund seiner Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, Aussehen angegriffen oder diskriminiert wird. Ich scheitere dabei oft genug an mir selbst, aber auch das befeuert nur die Wut in mir.

<tl;dr>Gedenken ist wichtig, denn aus Erinnerung wächst Verantwortung. Aus Vorwürfen erwächst aber nur Trotz.

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