Bewerbungen und Schauspiel

Langsam nimmt die Dissertation Gestalt an und langsam ist ein Ende in Sicht, also endgültig Zeit sich über Job und Bewerbungen Gedanken zu machen. Ich hatte das Glück, dass in einem Bewerbungstraining, das auf Doktoranden zugeschnitten war, relativ spontan ein Platz frei wurde.

Neben dem Wissen, wie ich nun einen englischen CV und ein englisches Anschreiben  aufsetzen zu habe, den CV deutlich anders als einen deutschen, das Anschreiben eher ähnlich, brachte das Training, basierend auf Selbsteinschätzungen, noch ein kleines Assessment der persönlichen Vorlieben/Fähigkeiten mit. Zusammen mit einem, Myers-Briggs ähnlichem Test, den ich vor ein paar Jahren schon mal mitmachen konnte, gibt das doch ein relativ klares Bild ab. Fragt sich inzwischen eher weniger, was kann ich tun, sondern was will ich tun. Das gilt auch für außerhalb der Wissenschaft, und da drängt es mich ja ein wenig hin. Die Trainerin überraschte mich ein wenig, als sie meinte, dass ich Richtung Consultant gehen solle. Ich hatte sie wohl etwas erschrocken angeschaut, weil sie gleich hinzufügte in einem kleinen Unternehmen und nicht bei den (ganz) großen. Einige Kollegen fanden die Idee für mich auch nicht schlecht. Und wenn ich so zurückdenke, beraten konnte ich schon immer besser als mich selbst an meine eigenen Ratschläge zu halten. Also vielleicht doch keine so schlechte Idee.
Aber eigentlich kamen mir ja während des Trainings noch andere Gedanken, die nichts mit Jobwahl zu tun hatten. Ein CV und ein Anschreiben müssen informativ, klar strukturiert und auch sehr positiv rüber kommen. Immerhin hat so ein Personaler ja nicht den ganzen Tag Zeit sich jede Information mühsam aus einer Textwüste herauszupicken. Soweit war das ja alles klar. Das die Interviews recht krass ausgewertet werden, war mir eigentlich auch klar. Trotzdem war ich etwas überrascht, wie viel man da falsch machen kann bzw. wie schnell man eine Frage nicht gut genug beantwortet. Im  Prinzip ist das auch nur ne Trainingssache und man muss auf die entsprechenden Fragen die entsprechenden Antworten geben. Was ich mich aber frage ist, wie sich da dann ein Personalmensch noch ein Bild von dem Bewerber machen soll. Mein größtes Problem war/ist ja, dass ich Dinge, die ich für selbtsverständlich bzw. klar halte meistens erst gar nicht erwähne – und dass ich mich setze, wenn jemand zu mir meint „Setzen Sie sich.“, da ist mir dann egal ob die andere Person noch steht oder nicht. Und außerdem bin ich halt nicht der aalglatte sich-über-alles-lober, eher der etwas zu bescheidene Mensch. Und ich frage mich inzwischen, wie arg ich mich in einem Interview dann verstellen müsste und wie ich dann trotzdem noch authentisch wirken soll. Vielleicht sollte ich noch ne Schauspielausbildung machen….

So, und ich versuch mich jetzt nicht gleich wieder von Zukunftsgedanken vom Schreiben und Korrigieren der Dissertation abbringen zu lassen. Momentan nagt so ein wenig das Umzugsproblem. Es gibt ein paar Dinge, die für einen Umzug sprechen, einige die dagegen sprechen und ich bin mir nicht sicher, was ich will. Aber auch das wird sich zeigen und entwickeln. Und wenn es dann so weit ist, dann werde ich halt ne Entscheidung treffen müssen. Wie immer.

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