Europahymne

Gerade eben, auf dem Heimweg von der „Blauen Nacht“ in Nürnberg, stimmten drei sichtlich angetrunkene Jungs – augenscheinlich Club-Fans und nicht mehr in der Lage ihre Lautstärke zu kontrollieren – erst ein Stück aus dem Rambo-Soundtrack an, kamen dann über „Eye of the tiger“ zu einem Stück aus „König der Löwen“. Sonderlich textsicher waren sie dann aber nicht wirklich. Dafür Laut und gar nicht mal so schräg.

Einer der drei kam dann auf die Idee die italienische Nationalhymne anzustimmen, woraufhin seine beiden Mitfahrer lauthals einstiegen und alle mit den ersten Takten der deutschen Nationalhymne endeten. Bemerkt, dass da irgendwas nicht ganz stimmte, besannen sie sich dann erst mal auf „La la la“ als Text und schmetterten voller Inbrunst das Hauptthema  „An die Freude“ aus Beethovens neunter Sinfonie.
Jetzt hat dieses Hauptthema zwei sehr schöne Eigenschaften. Erstens ist ein rein instrumentales Arrangement die Europahymne und zweitens vertont sie Schillers Gedicht „An die Freude„. Wie einer der drei vollkommen richtig und lautstark kund tat, kommen die Textstellen „Freude, schöne Götterfunken“ und „Allen Menschen werden Brüder“ darin vor.
Während die drei den textlosen Teil der Europahymne improvisierten meinte eine meiner Sitznachbarn, dass sei jetzt aber die deutsche Hymne.

Und ich, ich saß da, wünschte mir ich könnte singen und sei textsicher, grinste ob der kommenden Europawahl und dachte „Hey, vielleicht wird das mit einem freien, vereinten Europa doch noch was. Und vielleicht sind wir teilweise schon weiter, als wir alle dachten. Ganz unabhängig von einer institutionalisierten EU.“

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