Gentechnik – Debatte, ja oder nein?

Letztlich kam von einer Kollegin via Facebook ein Link auf einen Artikel über Gentechnik in Deutschland. Genauer gesagt, über die grüne Gentechnik – also die Gentechnik an den Pflanzen. Ich kann sowas ja nie unkommentiert stehen lasse und verteile sowas auch immer wie wild in sozialen Netzwerken. Übrigens erschien in Max-Planck-Forschung vor ein paar Monaten ein ähnlicher Artikel (pdf).
Grundtenor beider Artikel ist, dass in Deutschland eingentlich keine Debatte mehr über die Gentechnik stattfindet. Viel eher wird Gentechnik = Böse gesetzt. Aufgeklärt wird so gut wie gar nicht mehr. Leider.

Interessanterweise musste ich in einer kleinen Diskussion auf Google+ dann feststellen, dass genau die Vorverurteilung bei den meisten Menschen nicht ankommt. Viel mehr wird die öffentliche Debatte als eine kritische, aktive Auseinandersetzung mit neuen Technologien gesehen. Selbst dann, wenn Halbwissen und Themen fröhlich durcheinandergewürfelt werden. Auch wird immer wieder eine Technologiefolgenabschätzung gefordert. Dass eine Folgenabschätzung ohne richtige Debatte und ohne Forschung nicht möglich ist, muss dann immer wieder erklärt werden.

Woran liegt das? Sind wir in Deutschland so ungebildet, dass kaum jemand eine Ahnung hat, was Zellbiologie bzw. Gentechnik ist? Nein, sind wird nicht. Es liegt viel mehr daran, dass viele Themen inzwischen sehr Komplex sind. Und genau diese Komplexität bezieht die öffentliche Debatte nicht mit ein.

Ich frage mich häufig, wie man das ändern könnte. Ein Weg wäre auch in Deutschland Biohacking  (Podcast zum Thema) zu etablieren. Das Problem dabei ist, dass für viele Dinge, die mehr oder weniger problemlos möglich wären, Ressentiments in der Gesellschaft bestehen. Diese Resesentiments haben wiederum Gesetze und Vorschriften zur Folge, die freies Biohacking unmöglich machen. Ihr habt keine Ahnung, was für Auflagen erfüllt werden müssen um z.B. gentechnisch veränderte Organsimen zu versenden (besonders Lustig über nationale Grenzen hinweg).
Eine andere Möglichkeit wäre, dass Universitäten und Labore viel mehr Zeit in Erklärung und Weiterbildung interessierter Menschen investieren würden. Quasi ein Studium Generale mit Gentechnik/Biotechnologie zum Anfassen. Dummerweise kostet das alles Geld und Zeit. Und dummerweise wird die Forschung in Deutschland häufig über Drittmittel finanziert. Ob es für solche Projekte Mittel geben würde, die nicht von „der Industrie“ mitgesponsort werden, müsste ich allerdings mal nachschauen.
Ein weiteres Problem sind fanatische Gentechnikgegner. Mir ist es, leider nicht nur einmal, schon passiert, dass mir vorgeworfen wird doch nur berufliche Interessen zu vertreten bzw. auf der Gehaltsliste der Biotech-Lobby zu stehen. Und das nur, weil ich entweder versucht habe die Technologie wertfrei zu erklären oder eine Studie kritisch hinterfragt habe. In dem Moment vergeht mir selbst dann immer die Lust überhaupt noch was zu erklären. Es ist verflixt nochmal mein Job jede Veröffentlichung kritisch zu hinterfragen. Um das zu können, habe ich die ganze Sache immerhin studiert!

Ok, vom Jammern mal abgesehen, was kann ich, was können wir als Gesellschaft tun um eine echte Debatte zur Gentechnik anzustoßen? Fragt Leute die sich mit Zellbiologie, Biotechnologie, Gentechnik auskennen wie das denn überhaupt funktioniert. Die meisten werden sich über das Interesse an ihrer Arbeit freuen. Werft den Leuten nicht vor, dass sie sich beruflich mit dem Thema beschäftigen. Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht. Für jemanden, der sich täglich mit der Materie beschäftigt ist es manchmal nicht einfach, alles so zu erklären, dass es auch ein Fachfremder versteht. Soviel zu euch.
Jetzt zu den Wissenschaftlern: Scheut den Dialog nicht! Holt die Leute da ab, wo sie stehen! Erklärt, seit geduldig, organisiert Zellbiologe/Gentechnik-Crash-Kurse. Kurz: Redet mit den Menschen und seht ihnen die ein oder andere komische Frage nach!

In dem Sinne, hab ich mir jetzt mal als Ziel gesetzt genau das zu tun. Ich will in der Region Nürnberg eine Veranstaltung anbieten um interessierten Menschen eine Technologie zu erklären, die weit weg von ihrer täglichen Wirklichkeit ist. Falls also jemand von euch Interesse hat so einen Workshop mitzuorganisieren bzw. daran teilzunehmen, meldet euch bei mir.

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2 Antworten auf Gentechnik – Debatte, ja oder nein?

  1. sance sagt:

    Ich will in der Region Nürnberg eine Veranstaltung anbieten um interessierten Menschen eine Technologie zu erklären, die weit weg von ihrer täglichen Wirklichkeit ist.

    kennst du das konzept des „Science slam“? gibt es hier in der gegend leider nicht. …ich wuerde mich freuen, wenn sich das aendert.

    • Martin sagt:

      Lass uns da doch demnächst mal drüber reden. Bei mir scheiterts immer an Zeit und anderen Ideen die ich gerne mal verwirklichen würde. Aber wenn du da eh was am Planen bist und mir gelegentlich in den Hintern trittst, könnte das was werden 😉

      Ja, Science Slam kennen ich. Lieder habe ich noch keinen gesehen. Aber irgendjemanden erzählte mir letztlich, dass in Erlangen oder so demnächst einer geplant ist. Ich geh mal in mich und versuch mich zu erinnern wer das war….

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