Gruppenspringer

Ihr kennt das. Ihr gehört zu einer Gruppe und es wird erwartet, dass ihr immer und alles mit der Gruppe teilt.
Ihr kennt das. Ihr kritisiert die Gruppe in der ihr euch gerade befindet und beschließt dann dieser Gruppe den Rücken zu kehren.
Ihr kennt das. Ihr werdet in Gruppen gerne gesehen, seid gerne in der Gruppe, unternehmt gerne Dinge mit der Gruppe, seid aber nicht immer bei allem dabei.
Ihr kennt des. Ihr habt nicht nur eine relevante Gruppe in eurem Leben der ihr euch zugehörig fühlt.
Ihr kennt das. Ihr gehört zu einer Gruppe und doch wieder irgendwie nicht.
Ihr kennt das. Ihr stellt fest, dass es euch um einzelne Menschen in der Gruppe geht, nicht um die Gruppe.

Häufig beginnt es schleichend, oder besser schweigend. Ihr fühlt euch wohl in einer Gruppe, es entwickelt sich eine gewisse Dynamik, ihr schwimmt ein Stück mit, ihr werdet an den Rand gespült. Ihr haltet kurz inne, ihr stellt auch wörtlich an den Rand. Ihr hört zu, ihr schweigt viel. Ihr denkt nach, ihr fühlt euch der Gruppe aber immer noch zugehörig und eigentlich auch recht wohl in der Gruppe. Ihr werdet gefragt, was denn los sei. Ihr sagt wenig, ihr findet einen Grund. Der Grund ist vielleicht vorgeschoben, vielleicht eine Ausrede vor euch selbst, weil ich gerade extrem viel bewegt,  vielleicht sogar wahr und echt. Dabei seid ihr einfach nur ihr selbst. Ein wenig introvertiert, aber nicht schüchtern und kontanktscheu. Eher das Gegenteil. Nur große, zu große, Gruppen engen euch ein, lassen euch unwohl fühlen. Unwohl ist falsch, uninteressiert ist besser. Ab einer gewissen Gruppengröße fühlt ihr euch nicht mehr in der Lage euch an dem Gruppengespräch zu beteiligen. Es bringt einfach nichts, ihr geht unter, das Gespräch lässt sich weder richtig steuern, noch treibt es vor sich hin. Dem Gespräch fehlt Tiefe. Und Ruhe. Ihr stellt fest, dass eine Gruppe von zwei, maximal drei, Personen für euch Ideal ist. Ihr zieht euch irgendwann aus der großen Gruppe zurück. Was bleibt sind einzelne Kontakte. Ihr wiederholt das Spiel andauernd. Ihr durchwandert Gruppen und sammelt Kontakte, Menschen die euch etwas bedeuten, an denen ihr euch im Gespräch reiben könnt, Menschen die euch Halt geben, Menschen denen ihr Halt gebt. Manchmal wird euch fehlende Loyalität gegenüber einer Gruppe vorgeworfen, dabei kann es Loyalität nur zwischen zwei Menschen geben. Menschen die sich halbwegs gut kennen. Menschen die sich respektieren. Manchmal bekommt ihr auch gesagt, dass es bei euch ja was anderes sei – also das mit der Loyalität und der Gruppe, ihr seid halt besonders empfindsam und so. Ihr denkt dann: „Ja, toll. Danke. Aber vielleicht sind das die anderen auch. Besonders die, über die du dich gerade aufgeregt hast. Vielleicht bin ich nur die Person die sich mit Worten gut genug ausdrücken kann, die auch mal sich selbst zuhört und das nach außen trägt.“ Manchmal zweifelt ihr an eurer sozialen Kompatibilität.
Ihr seid Gruppenspringer, nie lange in einer Gruppe zuhause, nie wirklich angekommen. Ihr seid die Menschen, die sich unter „Networking“ nichts vorstellen können, die es verabscheuen. Und ihr seid genau die Menschen, die es täglich tun ohne darüber nachzudenken. Ihr seid „Natural Networker“ und trotzdem introvertiert, in euch ruhend und authentisch. Und dann kommt der Moment, in dem ihr die Gruppenbindungsproblematik nicht als euer Problem, sondern als eure Stärke begreift.

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