PDF Dateien, lesen, bearbeiten und synchronisieren

Eigentlich sollte es ja kein Problem sein, PDF Dateien z.B. am Tablet zu lesen und zu bearbeiten/kommentieren und dann entweder die Dateien oder auch nur die Kommentare zu synchronisieren. Ist es auch nicht, mal nicht solange man die Dateien nicht aus der der Hand geben will und die Cloud dadurch erst einmal ausscheidet. Ja, sicher, man kann mit Tools wie BoxCryptor arbeiten und die Daten verschlüsselt ablegen. Ich entschied mich aber für eine andere Möglichkeit, da ich eh noch einen Raspberry Pi rumstehen hatte.

Raspberry Pi vorbreiten

Zuerst gilt es auf eine SD-Karte das OS seiner Wahl zu installieren. Ich entscheid mich für Raspbian. Grund dafür war eigentlich das zugrundeliegende Debian. Ich habe aber auch gute Erfahrungen mit ArchLinux ARM gemacht. Ladet euch einfach das runter, was euch am ehesten zusagt, oder nutzt das, was ihr eh schon am Laufen habt.
Nchdem das Image auf der SD-Karte gelandet ist, bekam der Raspberry Pi bei mir noch einen 32 GB USB-Stick verpasst und wurde per Kabel direkt an den Router (in diesem Fall eine Fritz!Box) angeschlossen und gestartet. Im Normalfall bekommt der Raspberry seine IP jetzt per DHCP, sobald ihr die Adresse habt, könnt ich euch per ssh mit der Nutzername/Passwort Kombination pi/raspberry einloggen.

sudo raspi-config

startet ein kleines, aber feines Config-Tool.

raspi-cfg

Dort solltet ihr dann den ersten Punkt wählen, damit auch die komplette SD-Karte verwendet wird. Und vergesst nicht euer Nutzer Passwort unter Punkt zwei zu ändern.

Als nächstes könnt ihr dem Raspberry eine feste IP-Adresse geben, das geschieht in dem ihr in die Datei /etc/network/interfaces etwas in dieser Richtung rein schreibt:

iface eth0 inet static
address 10.0.0.2
gateway 10.0.0.1
netmask 255.255.255.0

Ihr könnt na klar jede IP-Adresse nehmen, die euch in den Kram passt. Achtet einfach darauf, dass ihr eine aus einem privaten IP-Bereich nehmt – es sei denn ihr habt eine öffentliche zur Verfügung.

Als nächstes schaut ihr nach, welches Device den USB-Stick repräsentiert – meist wird es wohl /dev/sda1 sein. Legt dann mit

sudo mkfs.ext4 /dev/sda1

ein ext4 Filesystem an – ihr könnt auch NFTS oder FAT oder das Filesystem eurer Wahl nehmen. Als nächstes schreibt in die /etc/fstab noch sowas rein

/dev/sda1       /media/extern   ext4    defaults        0       0

und legt mit

sudo mkdir /media/extern

den Einhängepunkt an.

Soweit so gut, da ich selbst es nicht gerne mag mich als default-Nutzer irgendwo anzumelden, gab es bei mir gleich noch einen neuen, stinknormalen Nutzer – der auch nicht in der sudoers-File steht.

sudo useradd -m -p $PASSWORD $USERNAME

erledigt die Aufgabe hervorragen. Vergesst nicht eigene Werte für $PASSWORD und $USERNAME einzusetzen.

Mit

sudo shutdown -r now

startet ihr den Raspberry nun neu. Jetzt solltet ihr euch per ssh über die vorhin eingestellte IP anmelden können. Sollte eigentlich gehen. Loggt euch nun wieder als Defaultnutzer ein und legt mit

sudo mkdir /media/extern/user
chmod a+rw

ein für alle schreib- und lesbares Verzeichnis auf dem USB-Stick an.

Jetzt steht ihr noch vor dem Problem, dass der Defaultnutzername quasi für jeden bekannt ist. Und da der Raspberri auch von Außen erreichbar sein soll, solltet ihr das noch ändern. Eine (englische) Anleitung gibt es hier.

Meldet euch jetzt als normaler Nutzer an und setzt der Bequemlichkeit halber noch einen Link vom Home-Verzeichneis aus auf den USB-Stick

ln -s /media/extern/user extern

Jetzt habt ihr einen Link extern, der euch direkt auf den USB-Stick schickt.

Raspberry von Außen erreichbar machen

Wenn ihr nicht gerade das Glück habt, euch nur in Netzwerken zu bewegen, in denen IPv6 unterstützt wird, solltet ihr euch Gedanken machen einen Service wie no-ip oder einen adneren dynamischen DNS Service zu verwenden. Das praktische ist, dass ihr auf einer Fritz!Box den Service direkt im Router eintragen könnt. Damit ist euer Router dann z.B.  über beispiel.hopto.org zu erreichen.
Als nächstes müsst ihr noch das Port-Forwarding einstellten. Sprich, ihr müsst eurem Router sagen welchen Port von außen er auf welche IP und welchen Port innen weiterleiten soll. Wichtig ist in unserem Fall, dass Port 22 auf unserem Raspberry erreichbar ist. Um nicht gleich laut in die Welt zu schreien, dass ich hier einen ssh-service am Laufen habe, wählte ich mir eine 5 stellige Portnummer als von außen erreichbarer Port.Sobald ihr das alles eingestellt habt, könnt ihr mal mit

 ssh beispiel.hopto.org PORT -l Nutzer

testen ob ihr drauf kommt.

Die Sache mit den PDFs

Da ich selber nur Android-Geräte mein Eigen nenne, gibt es nur eine kurze Beschreibung für selbige. Ich arbeite in diesem Fall mit ES Datei Explorer und dem Adobe Reader  (der kann Kommentare und so).

esfile

Im ES Datei Explorer könnt ihr euch dann einen sftp-Server einrichten und habt von jetzt an immer Zugriff auf eure Daten, die auf dem Raspberry liegen. Ihr könnte auch direkte Links für den Zugriff auf spezielle Ordner direkt auf eure Launcheroberfläche legen.

Zu meiner Freude, konnte ich feststellen, dass der ES Datei Explorer bei einem Klick auf ein PDF diese Datei runterlädt, im Reader öffnet und wenn die Datei bearbeitet wurde wieder mit dem Server synchronisiert. Das funktioniert tadellos, nur solltet ihr mit den Dateinamen aufpassen. Machmal klappt das mit dem Encoding nicht, dann müsst ihr die Datei auf dem Server umbenennen.

Zu meiner Irritation bestand das größte Problem jetzt darin, Windows dazu zu überreden unkompliziert auf den SSH-Server per sftp zu zugreifen. Eine Möglichkeit ist na klar mit SCP z.B. WinSCP den Raspberry wie einen FTP Server zu verwenden. Dann bestehen aber schon wieder zwei Kopien die händisch gepflegt werden müssen. Abhilfe schafft hier sftp-netdrive, dass den sftp-server als Netzlaufwerk in Windows einbindet – für den privaten Gebrauch ist das Tool frei, aber auch ein wenig eingeschränkt.

Und so siehts dann aus

pdf

Funktioniert alles besser, als ich dachte – sofern die PDF bearbeitbar ist.

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis: Haltet euren Server immer schön up to date.

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2 Antworten auf PDF Dateien, lesen, bearbeiten und synchronisieren

  1. Andreas sagt:

    Hallo Martin,

    netter Artikel. Ich arbeite neuerdings auch mit dem ES-Explorer und bearbeite am Tablet PDFs mit ezpdf. Manchmal ist es so, dass die Datei, wie Du schreibst, beim beenden des Programms automatisch über den Server synchronisiert wird, manchmal nicht. Kennst Du Dich damit aus? Bzw. kannst erklären, woran das liegt. Ich würde gerne meine PDFs immer am Tablet lesen und bearbeiten und dann haben, dass sie danach automatisch am originalen Speicherort synchronisiert werden (ohne dass verschiedene Versionen derselben Datei erstellt werden.)

    Grüße,
    Andreas

    • Martin sagt:

      Hallo Andreas,

      genau sagen woran das liegt, kann ich dir das leider nicht. Ich hatte das Problem manchmal, wenn ich nicht änderte oder das Netz weg war. Ob es aber daran liegt, kann ich dir nicht sagen. Ich kann frühestens nächste Woche mal nachschauen.

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