Selbstzensur und Taktgefühl

Nachdem die massive Überwachung des Internets bzw. eigentlich die automatisierte Überwachung des Datenverkehrs publik wurde, wird viel darüber geschrieben wie man sich denn jetzt eigentlich davor schützen könnte. Das geht von Verschlüsselung über private Server bis zu Datensparsamkeit/Selbstzensur.

Marina Weisband hat auf den Artikel von Ludwig Greeven der fordert einfach nicht überall über alles zu reden ganz gut geantwortet.

Das was mich bei der ganzen Sache immer ein wenig umtreibt ist, dass wir davon ausgehen müssen, dass quasi sämtliche Daten im Internet öffentliche Daten sind. Das liegt weniger daran, dass “Der Staat” mitliest oder Unternehmen mitlesen. Viel mehr liegt es daran, dass die ganzen Daten (Gespräche, Texte, Fotos) existieren und auch geteilt werden können – egal was die Privacy-Einstellungen sagen, Screenshots zum Beispiel gehen immer. Ich sehe da eine gewisse Parallele zu einer Unterhaltung in einem gut gefüllten Zug. Da werde ich mich wahrscheinlich auch nicht gerade mit jemandem über sehr persönliche Dinge unterhalten, wenn ich nicht will, dass jemand mithört. Sprich: Ich schränke mich auch im offline Bereich ein und achte ein Stück weit darauf was ich wo mit wem rede. Das hat aber nichts mit Angst vor Überwachung zu tun. Das ist ein Stück weit eigene “Verklemmtheit” bzw. Taktgefühl. Ich denke das sollte einem auch im online Bereich klar sein. Vielleicht sollte für manche Dinge eher eine Mail als ein Posting bei Facebook, im eigenen Blog oder bei Twitter dienen. Ist das dann schon Selbstzensur oder nicht ein ganz normaler, sozialer Schutzmechanismus?

Versteht mich nicht falsch, ich habe keine Ahnung ob ich diese Mechanismen gut oder schlecht finden soll. Aber zumindest im täglichen Umgang mit Menschen hilft einem ein gewisses Taktgefühl, Schamgefühl, oder wie auch immer das nennen mag, durchaus weiter.
Und ja, ich weiß ich vergleiche gerade ein wenig Äpfel mit Birnen. Auf der einen Seite zwischenmenschliches, auf der anderen Seite ein Staat bzw. eine Staatsmacht. Ich will aber eigentlich nur sagen, dass nicht alles was man sich nicht traut zu sagen einer Selbstzensur zum Opfer fällt. Oder anders formuliert, Selbstzensur kann manchmal auch einfach mal was positives sein – dann nennt es sich Taktgefühl, Einfühlungsvermögen, angenehm zurückhaltend oder sonst wie. Also kommt nicht immer gleicht mit der Selbstzensur/Zensur-Keule nur weil mal jemand etwas nichts sagen will oder gesagt hat. Und es ist auch nicht der Sieg des Terrors, er Untergang des Abendlandes wenn manche Dinge nicht gesagt werden.

Das große Problem ist jetzt nur, wenn aus Angst vor einer Staatsmacht Dinge nicht mehr überall gesagt werden können bzw. wollen. Dann haben wir ein echtes Problem. Und genau das macht die massive, automatische Überwachung des Internets gefährlich. Aber dazu haben andere schon genug geschrieben.

Mal schauen, vielleicht habe ich die Gedanken ja bis nächste Woche besser geordnet. Dann schreib ich dazu nochmal was. Bis dahin bleib ich latent etwas verwirrt.

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