Tschüß Piraten(partei)!

ppNachdem ich nun schon seit einiger Zeit meinen Mitgliedsbeitrag nicht mehr bezahle, gehe ich nun also auch den letzten Schritt und trete formal aus der Piratenpartei aus. Warum eigentlich? Und warum erst jetzt? Nein, es hat nicht mit den aktuellen Querelen zu tun, na ja, ein wenig vielleicht schon; aber nur insofern sie das Thema wieder auf meine Agenda brachten. Es lag auch nicht an einzelnen Menschen, es lag und liegt an viel viel mehr.

2009 trat ich den Piraten bei, großes Thema damals #Zensursula, Datenschutz und Transparenz. Endlich eine junge, politische Partei die in mir wichtigen Themen richtige und wichtige Positionen vertrat bzw. vertreten wollte. Grund genug einzutreten, Zeit und Energie reinzustecken – soweit es mir eben möglich war. Das war am Anfang sehr spaßig und durchaus auch nicht unergiebig, wenn auch nicht immer ziel führend. Aber so war das halt,  für viele von uns war das ja auch neu und wir wollten ja auch neue Wege gehen bzw. neue Lösungsmöglichkeiten finden. Irgendwann kam dann auch die – ich nenne es immer – Gruppendynamik ins Spiel und es wurde menschlich. Sprich, es bildeten sich Gruppen die sich gegenseitig nicht so wirklich leiden konnten. War mir relativ egal, da ich mich selbst eh ungern fest einer Gruppe zuordne. Aber eigentlich war das für mich schon der Anfang vom Ende. Wenn irgendwann nicht mehr die Eignung einer Person, sonder die Gruppenzugehörigkeit eine immer größere Rolle spielt, dann beginnen die Machtkämpfe. Und Machtkämpfe machen zumindest mir keinen Spaß, weil dann andere wichtige Arbeit liegen bleibt. Aber egal, auch das ließ sich aushalten.
Dann kam der Bundesparteitag in Chemnitz, auf dem das Programm erweitert wurde. Auch nicht schlimm, dachte ich mir, immerhin schadet es nicht sich etwas breiter aufzustellen und die Themen, wegen denen ich dieser Partei beitrat verschwanden ja nicht. Irgendwann, wurde ich dann Vorsitzender in einem kleinen KV und musste feststellen, dass ich das nicht mal ein ganzes Jahr aushalten konnte und trat zurück. Hier waren dann Machtspiele doch so ausschlaggebend, dass ich keine Lust mehr auf Piraten bekam. Irgendwie war mir das zu viel Machtpolitik bzw. Verwaltung und zu wenig Sachpolitik. Aber egal, Pause machen bedeutet ja nicht austreten.
Tja, und jetzt, fast 2 Jahre später? Ich sehe die Piraten für mich endgültig als gescheitert. Die Themen, wegen denen ich beitrat werden zwar noch auf dem Papier erwähnt, aber nicht mehr vertreten. Es ist soweit, dass ich nicht mehr weiß, für was die Piraten überhaupt noch stehen. Vielleicht wähle ich die Piraten irgendwann mal wieder, aber aktiv beteiligen werde ich mich sicher nicht mehr – na gut, hatte ich die letzten beiden Jahre auch nicht mehr.
Und wenn mir jetzt einer kommt mit: „Hätteste dich halt mehr eingebracht.“ Dann kann ich nur sagen: Mit welcher Zeit und mit welchen finanziellen Mitteln? Ganz ehrlich, die aufzuwendende Energie, um etwas zu bewegen, stand auch bei den Piraten nie im Verhältnis zu dem was erreicht werden konnte.

Ich wünsche euch alles Gute und eine schöne Selbstfindungsphase. Ich schätze einige Leute die ich während der Zeit kennenlernte immer noch sehr, teilweise sind das sogar noch Mitglieder. Und auch vielen Dank dafür, dass ich einen Einblick in die Politik bekam und für mich selbst entscheiden konnte, dass eine Mitgliedschaft in irgendeiner politischen Partei für mich keine Option ist.

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Eine Antwort auf Tschüß Piraten(partei)!

  1. Philipp sagt:

    Ich hab dir das ja schon gesagt, dass ich es immer schade finde, wenn einer von denen, die Machtspiele nur „aushalten“, wie du selbst von dir schreibst, der Politik verloren geht. Egal bei welcher Partei. Weil das heißt, dass diejenigen an Bedeutung gewinnen, die Machtspiele ganz toll finden, weil es ihnen mehr um persönliche Vorteile geht als um inhaltliche Ziele.
    Unabhängig davon kann ich deine Gründe verstehen. Politische Alltagsarbeit ist oft frustrierend und man erreicht fast immer weniger, als man sich erhofft hat. Trotzdem ist es wichtig, dass sie jemand macht. Als Wahlhelfer setzt du dich ja weiterhin für die Demokratie ein und sicher sieht man sich bald wieder auf einer Anti-Nazi-Demo. Die Themen, für die du zu den Piraten gegangen bist, sind immernoch extrem wichtig und vielleicht findest du ja einen anderen Weg (ohne Partei-Mitgliedschaft), diese Themen zu pushen.

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