Visionen

Eigentlich wollte ich euch dieses mal mit einem kleinen Beitrag über das Wahlhelfer-Dasein beglücken. Der kommt noch, versprochen. Dummerweise hat mich der Ausgang der Bundestagswahl am Sonntag doch ein wenig aus der Bahn geworfen. Ich habe erstaunlich lange gebraucht, bis mir klar wurde warum und noch länger um es in Worte zu fassen.

Überraschend war das Ergebnis nicht. Gut, die fast erreichte absolute Mehrheit der Union war es schon. Dass eine große Koalition nun eine verfassungsändernde 2/3-Mehrheit haben wird auch. Noch schlimmer aber, dass eine Opposition im Falle einer großen Koalition nicht mal mehr einen Untersuchungsausschuss einsetzen könnte, da sie nicht mindestens 25% der Mitgtglieder des Bundestages auf sich vereint. Aber das ist zwar alles nicht schön, war aber nicht Grund meiner inneren Unruhe.

Was war, bzw. ist, denn nun der Grund meiner inneren Unruhe? Das Signal, dass diese Wahl ausstrahlt. Es wurde die Partei gewählt die am Erfolgreichsten behauptet uns gehe es gut, Deutschland habe zwar Problem, an denen seien aber eher die anderen Schuld. Nein, es ist keine Partei die sich aus Europa bzw. dem Euro-Raum zurückziehen will. Es ist noch nicht mal eine Partei die sagt, dass auf uns keine schweren Zeite zukommen könnten. Es ist aber eine Partei die behauptet, dass daran „die anderen“ Schuld sind, denn „wir“ hätten unsere Hausaufgaben ja gemacht und stünden daher gut da. Es ist eine Partei die keinerlei Visionen für eine gesellschaftliche Veränderung hat (offen zugegeben: das haben die anderen auch nicht wirklich). Statt dessen werden Missgunst, Neid, Angst, Standesdünkel und Sündenbock suchendes Denken verbreitet.
Anstelle zu zugeben, dass wir ein problematisches System haben, sind nur „die anderen“ Schuld – weil die haben ja gelogen, betrogen und sich nicht genug angestrengt. Dass von „unserer“ Seite aus zu wenig kontrolliert, beide Augen zugegkniffen wurden bzw. Deutschland unter anderem so gut dasteht, weil es dieses wirtschaftliche Ungleichgewich massiv ausnutze und förderte, wird nicht mal angedeutet.
Anstelle zu zugeben, dass Vollbeschäftigung nicht mehr möglich sein wird und nicht jeder, der auf ALG II angewießen ist nur zu Faul zum Arbeiten ist, werden die Vorurteile fleißig geschürt.
Anstelle sich Gedanken darüber zu machen wie eine Gesellschaft der Zukunft aussehen könnte, wird auf Besitzstandswahrung und ein „weiter so“ gesetzt.
Statt in der Krise eine Chance zum Aufbruch und zu Veränderung zu sehen, wird der selbe Weg, der in die Krise führte munter weiter beschritten. Der Karren wird einfach im Dreck stecken gelassen, es geht weder vor noch zurück.

Das ist es, was mir Angst macht, was mit Sorgen bereitet. Eigentlich war ich noch der Meinung, dass wir einen schmerzhaften, aber doch langsamen, gleitenden Übergang hinbekommen werden. Diese Hoffnung hat nun einen wesentlichen Dämpfer bekommen.

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Eine Antwort auf Visionen

  1. Dirk sagt:

    Das mit einer konservativen 2/3 Mehrheit würde mir in der Tat auch Sorgen machen.

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